Der Venustransit am 08.06.2004
[and] Am 8. Juni haben wir die extrem seltene Gelegenheit einen Venustransit zu beobachten. Bei einem Venustransit stehen Erde - Venus - Sonne fast exakt auf einer Linie, so dass man die Venus als dunklen Scheibe vor der Sonne passieren sieht. Ganz ähnlich wie bei einer (ringförmigen) Sonnenfinsternis, nur das hier die Venus nur 1/30 der Sonne bedeckt.
Es gibt nur drei Objekte
im Sonnensystem die zwischen Erde und Sonne stehen können. Das sind der Mond, die Venus und der Merkur. Wenn der Mond zwischen Erde und Sonne steht haben wir das bekannte Phänomen einer Sonnenfinsternis. Aus einer Laune der Natur ist der Mond am Himmel nahezu genau so groß wie die Sonne, so dass durch seine elliptische Umlaufbahn hervorgerufene Entfernungsschwankungen ihn mal größer und mal kleiner als die Sonne zeigen. So kommt es je nach Größe zu einer totalen oder ringförmigen
Sonnenfinsternis. Merkur und Venus sind zwar beide Größer als der Mond, jedoch auch ein ganzes Stück weiter entfernt. So dass beide Planeten nur einen winzigen Teil der Sonne bedecken. Merkur steht alle paar Jahre mal vor der Sonne und ist dann als winziges (etwa 1/200stel Sonnendurchmesser) Scheibchen vor der Sonne zu sehen. So geschehen im Mai 2003. Aufgrund der längeren Umlaufperiode der Venus sind Venustransite sehr viel seltener. Sie treten immer im Doppelpack mit 8 Jahren zwischenzeit auf und dann alle 121.5 bzw 105.5 Jahre. Der Nächste Venustransit ist also schon im Jahr 2012, während die letzten beiden Transite in den Jahren 1874 und 1882 waren. Es gibt also keinen Menschen auf der Erde der den letzten Transit 1882 miterlebt hat. Auch haben seit der Erfindung des
Teleskops erst sechs Transite stattgefunden. (1631, 1639, 1761, 1769, 1874 und 1882)
Die wissenschaftliche Bedeutung eines Venustransits bestand im 18. Jahrhundert darin den Masstab im Sonnensystem zu eichen. Nach Keplers Gesetz war es möglich die relativen Entfernungen der Planeten aus deren Umlaufzeiten zu bestimmen, jedoch konnte diese Skala bis dahin nicht geeicht werden. Bei einem Venustransit kann man jedoch eine deutliche Parallaxe beobachten wenn die Beobachter weit genug entfernt
sind. Aus dem Winkel unter dem die beiden Positionen erscheinen kann man mit Hilfe einfacher Geometrie dann den absoluten Abstand zwischen Venus und Erde berechnen und so den Massstab im Sonnensystem eichen. Bei dem Venustransit 1769 konnte die Entfernung Erde - Sonne (= 1 Astronomische Einheit) so mit einem Fehler von nur 2% bestimmt werden. Das Ereignis am 8. Juni hat also auch eine große geschichtliche Bedeutung.
Am 8.6.2004 hat man also die seltene Gelegenheit ein solches Ereignis
live zu erleben. Hier in Aachen, Deutschland sind wir sogar in einer sehr günstigen Position. Die Sonne geht hier in Aachen um 3:26h UT (= 5:26h MESZ) auf und steht beim ersten Kontakt um 05:19:54h UT schon 15° über dem Horizont. Der erste Kontakt bezeichnet dabei die Zeit wenn das Venusscheibchen die Sonnenscheibe das erste Mal berührt. Mit dem 2. Kontakt um 05:39:44h UT ist die Venus dann komplett vor der Sonnenscheibe. Nach etwa 3 Stunden um 08:22:33h UT (= 10:22:33h MESZ) ist die Venus
dem Sonnenzentrum am nächsten und damit ist die Mitte des Transits erreicht. Nach weiteren 3 Stunden finden dann der dritte (11:03:55h UT) und vierte (11:23:24h UT) Kontakt statt. Wobei hier umgekehrt zum Eintritt die Berührung der Sonnenscheibe mit dem dritten Kontakt und das endgültige Ende des Transits mit dem vierten Kontakt angegeben sind. Das ganze Ereignis kann also insgesammt etwa sechs Stunden lang beobachtet werden. Alle Zeiten beziehen sich dabei auf Aachen, wobei die Abweichungen
für Europa nur im Sekundenbereich sind!
An den Beobachtungsort muss lediglich die Forderung gestellt werden einen möglichste freien Nordost- und Osthorizont zu haben.
Die Beobachtung des Ereignisses ist dabei relativ einfach. Auch wenn die Venus im Gegensatz zu der Sonnenscheibe recht klein ist, so kann sie doch mit bloßem Auge als Scheibe erkannt werden.
VORSICHT! Nie mit dem bloßen Auge und schon gar
nicht mit einem optischen Gerät wie einem Feldstecher oder Teleskop in die Sonne blicken. Sofortige Erblindung wäre die Folge!!
Für die sichere Beobachtung benötigt man entweder eine Sonnenfinsternisbrille wie sie bei vielen Optikern zu bekommen sind oder ein durch einen Filter geschützes Teleskop. (gibt es z.B. bei http://www.s-p-a-c-e.de/) Filme, gerußte Gläser oder "Rettungsfolie" sind als Filter völlig ungeeignet! Man sollte nur spezielle dafür gemachte Glasfilter oder Folienfilter verwenden! Als alternative kann man das Sonnenbild auch projizieren, also mit Hilfe eines kleinen Feldstechers oder Teleskops das Bild der Sonne auf einen weißen Untergrund werfen. Hierbei muss man jedoch darauf achten, dass sich das Gerät nicht zu stark erwärmt oder das jemand versehentlich hindurchsieht. Genaue Beschreibungen der diversen Möglichkeiten findet man in den verschiedensten Quellen!
Hier noch ein Diagramm wie genau die Venus vor der Sonne entlanglaufen wird:


Die Bilder stammen von der Seite von Fred Espenak: http://sunearth.gsfc.nasa.gov/eclipse/OH/transit04.html wo auch noch weitere Informationen zu dem Transit in englischer Sprache stehen.